Wenn man in die Siedlung Vale do Amanhecer kommt, wird man mit einem Lächeln begrüßt. Wenn die pralle Sonne hoch am Himmel des südlichen Amazonasgebiets scheint, wird man gleich eingeladen, ein Glas Wasser im Schatten eines Obstbaums zu trinken. Man sieht, dass die Menschen sehr gesprächig und mit ihrem Leben zufrieden sind. Man hat das Gefühl, dass etwas Besonders dort geschieht.

Das ist tatsächlich so. Diese Siedlung ist eine Bühne von Bürgerinitiativen geworden, die sich von der Geldgewinnung durch Abholzung verabschiedeten, in einer nachhaltigen und ökologischen Alternative investierten, um ihre Lebensgrundlagen zu garantieren. Dadurch gewannen sie eine höhere Lebensqualität und der Urwald bekam einen starken Beschützer. Heute ist die Siedlung mit 140 km2 Fläche, darunter 72 km2 Gemeinschafsland, ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell für den Amazonienschutz. Aber nichts kam vom Himmel, wie es der starke Regenstrom in der Region fast jeden Tag tut.

Die Siedlung Vale do Amanhecer (Tal des Sonnenaufganges) wurde im Jahr 1998 für 250 Familien von dem brasilianischen Nationalinstitut für Kolonisierung und Agrarreform (INCRA) gegründet, wie auch andere Siedlungen im Amazonasgebiet. Noch im Jahr 2005 schrieb die Agraringenieurin Lucila Nunes Vargas in ihrer Promotionsarbeit für die Bundesuniversität von Mato Grosso: „Die Siedlung Vale do Amanhecer ist kein Modell für Amazonien“. Es ging damals den meisten Siedlern sozial und wirtschaftlich nicht gut und noch schlechter mit dem Erscheinen von illegalen Goldsuchern und Holzfällern.

Das hat sich erst im Jahr 2008 definitiv geändert: eine Gruppe von Siedlern hat sich in einer Kooperative zusammen getan, um eine Art Agrarwirtschaft zu etablieren, die nicht mit dem Baumfällen, Viehzucht oder Goldsuchen zu tun hätte. Durch eine Bestandsaufnahme der natürlichen Ressourcen der Region stellte man fest, dass die Paranuss eine wirtschaftliche Möglichkeit für die Gemeinde war. Zirka 2.500 Paranussbäume stehen in der Siedlung trotz starker Abholzung in der Vergangenheit. „Wenn diese Organisation um die Paranüsse nicht wäre, würde keiner von uns mehr hier sein“, sagte der Siedler Antonio Bento de Oliveira.

Seitdem ist viel passiert. Die Kooperative hat viele öffentliche und private Partner gefunden, bei der Gründung von anderen Vereinen und kleineren Kooperativen mitgewirkt, Indianerstämme sowie andere Kleinbauern der Umgebung miteinbezogen, um die Ernte bis zur Verarbeitung zu garantieren. Ihre ökologische Arbeit wurde mit renommierten Preisen honoriert. „Die Durchführung der gezielten Paranussernte bringt eine direkte Aufwertung des Urwalds“, sagt Paulo César Nunes, Koordinator der Kooperative der Siedlung Vale do Amanhecer (COOPAVAM). „Seine Aufwertung ist die einzige Möglichkeit, die wir sehen, den Urwald aufrechtzuerhalten“.

Der Kilopreis der Paranuss für die Erzeuger war 0,50 Cent Real in der Zeit der Zwischenhändler. Er hat sich auf 3 Reais für naturbelassene und auf 16 Reais (ca. 5 Euro) für verarbeitete Paranüsse erhöht. Die Lebensqualität von den Siedlern, Indianern und Kleinbauern hat sich deutlich verbessert. Die Zwischenhändler haben keine Chance mehr. Der Erfolg hat andere Gemeinden für das Paranusssammeln animiert und dazu inspiriert, den Urwald zu schützen und Paranussbäume zu pflanzen.

Ein sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Gewinn, der sich in der Zufriedenheit im Gesicht der Siedler widerspiegelt.