Text von Adriana Meola Riemke

Für Außenseiter ist es schon merkwürdig, dass ein Fluss inmitten des Amazonas Dschungels „Roosevelt“ heißt. Der 640 km lange Rio Roosevelt ist ein Zufluss des Rio Aripuanã, der in den Madeira mündet. Reich an schönen Wasserfällen und Stromschnellen.

Es ist aber tatsächlich so, dass der ehemalige US-Präsident Theodore Roosevelt den Jahren 1913-14 höchst persönlich den Fluss besucht hat. Er führte die Roosevelt-Rondon-Wissenschafts-expedition zusammen mit Cândido Rondon, der berühmteste Abenteurer, Forscher des Amazonasbeckens und engagiertester Indianerschützer seiner Zeit in Brasilien. Die Mission, die zum Großteil vom American Museum of Natural History finanziert wurde, war es, den „Fluss des Zweifels“ von der Quelle bis zur Mündung zu kartographieren. Roosevelt war der jüngste US-Präsident der Geschichte, Friedensnobelpreisträger und der Präsident, der mehr Nationalparks als alle anderen seiner Amtskollegen eröffnet hat. Im Amazonas Dschungel ist er fast ums Leben gekommen und konnte nur dank der Hilfe der Indianer die Malaria überleben. Die Expedition war ein Erfolg.

Um den US-Präsidenten zu ehren, wurde der Fluss des Zweifels in „Roosevelt“ umbenannt. Für die heutigen brasilianischen Umweltaktivisten ist der Fluss Roosevelt mit dem wichtigen Naturschutzgebiet (Unidade de Conservação) der Ökostation des Roosevelt-Flusses verbunden. Sie wurde 1997 eröffnet und das letzte Mal 2015 vergrößert.

Das Gebiet der Ökostation im Bundesstaat Mato Grosso ist ca. 970 qm2 groß – so wie ca. 135 Fußballplätze zusammen – und einer der am meisten geschützten Regionen des Urwalds. Seine Schönheit ist atemberaubend wegen der großen immer grünen Bäume seines Plateaus. Das Ziel dieser Naturschutzeinheit ist es, dass es so bleibt! Widersacher sind illegale Holzfäller und Goldsucher.

Bis vor kurzem handelte es sich um eine rein wissenschaftliche Ökostation mit begrenztem Zugang. Interdisziplinäre Teams erforschten die Faune des Urwalds, Flora und seine sozialen und wirtschaftlichen Aspekte. Neuerdings haben die Wissenschaftler sogar zwei Affenarten gesichtet, die dort zu Hause sind und womöglich noch nicht bekannt waren.

Nun kommt die Zeit der nachhaltigen Nutzung des Gebiets. Die Idee ist es, der einheimischen Bevölkerung ökonomische Alternativen für ihre Existenz zu garantieren, in dem sie bei der traditionellen Tätigkeit der Extraktionswirtschaft (z.B. das Kautschukzapfen und das Sammeln von Paranüsse) unterstützt wird.

Die Umweltbehörde des Bundesstaats Mato Grosso ist für dieses große Projekt eine Partnerschaft mit der englischen Investmentfirma Permian Global eingegangen, die sich dem Schutz und der Wiederaufforstung von Naturwäldern widmet. „Der Fokus der Partnerschaft ist die Nachhaltigkeit“, sagte der Sekretär für Umwelt von Mato Grosso, André Baby, im Interview mit einer regionalen Zeitung. „Außer dem Urwaldschutz strebt man an, dass die Bevölkerung eine soziale Eingliederung erfährt und an Lebensqualität gewinnt“.

Dabei wächst unter den Einwohnern das Bewusstsein für den Erhalt ihrer Heimat als Quelle ihres wirtschaftlichen Erfolgs. Das Ergebnis ist, dass der Wald stärker und effektiver geschützt wird.

Herrn Roosevelt wird durch die Arbeit der Ökostation eine weitere Ehre zuteil.

PS: Da die Aussprache von „Roosevelt“ nicht immer unter den Einheimischen klappt, wird der Fluss  manchmal auch als Rio Teodoro bezeichnet.

Bild: Daniel Rozas