Eine Plage, die keine ist

von Bruna Quadros

21. August 2020

Der junge Benício Barbosa da Silva ist ein genossenschaftlicher Kleinbauer und wichtiger Akteur der Agroforstwirtschaft in Bahia. Mit dem sozialökologischen Projekt, in dem er sich engagiert, werden mehr als 50 Familien und der Aufbau von 100 Hektar Agroforstwirtschaft in der ländlichen Gemeinde Serra da Besta im Nordosten Brasiliens unterstützt.

Benício pflanzt einen Setzling in die trockene Erde der Caatinga

Der Aufstieg einer Plage

Die Gemeinde “Serra da Besta”, inmitten der semiariden “Caatinga”, nahe der Stadt Uauá, im Nordosten Brasiliens, ist bekannt für den nachhaltigen Anbau von Maracuja.
Aber das war nicht immer so.
Die “Maracuja der Caatinga” wurde in ihrer Heimat lange Zeit als Plage angesehen, weil sie sich spontan in Plantagen mit anderen Kulturen ansiedelte.
Vor gut 20 Jahren jedoch begannen die Frauen der Kooperative Coopercuc damit, die wildwachsende Frucht zu Gelee, Saft und Mus zu verarbeiten und dadurch ein zusätzliches Einkommen zu erzielen.
Die Produkte verkauften sich gut und wurden nach und nach in das Produktportfolio der Genossenschaft aufgenommen. Und plötzlich war die einst als Unkraut empfundene Maracuja sehr gefragt.

 

Coopercuc und die Maracuja der Caatinga (Quelle: Instituto Sociedade, População e Natureza)

* Klick auf die Schaltfläche CC unten rechts, um englische Untertitel zu aktivieren.

Von der Plage zu Lösung

Vorher wurde die Maracuja in der Region nur wild gesammelt. Doch infolge der zunehmenden Desertifikation der Caatinga ging der Bestand zurück, und auch die heimischen Tiere fanden immer weniger Nahrung, weshalb auch ihre Nachfrage nach Maracujas stieg. Zwischenzeitlich war der Bestand so dezimiert, dass eine natürliche Verbreitung nicht mehr möglich war. 

Doch zum Glück hatten die Mitglieder von Coopercuc bereits damit begonnen, die Maracuja für ihre Produktion gezielt anzupflanzen, und zwar in Form eines innovativen Systems, das nicht nur bestehende Arten bewahrt, sondern auch Gebiete zurückerobert, die sich im Prozess der Wüstenbildung befinden: die Agroforstwirtschaft. 

Agroforstsysteme bringen unvergleichliche Vorteile für jedes landwirtschaftliche Produktionssystem – und wir werden die Gründe dafür anhand der Farm von Benicio erklären.

Benício und drei "Cooperativas" von Coopercuc bei der Arbeit

Die Farm von Benício

Wie alle Bauern der Region musste auch Benicio mit ansehen, wie sein Land im Laufe von 60 Jahren intensiver Landwirtschaft, die von seinen Eltern und Großeltern betrieben wurde, allmählich an Produktivität verlor.

Durch das Projekt erhält der Jungbauer nun seit einiger Zeit eine Ausbildung, die sich auf die Wiederherstellung geschädigter Gebiete konzentriert. Benícios Land gilt inzwischen als hochproduktive Agroforstwirtschaft. 

Die entscheidende Idee war, die Maracuja der Caatinga im Konsortium mit anderen ertragreichen Nutzpflanzen anzupflanzen, namentlich Banane, Acerola, Guave, Graviola, Pilha, Maxixe, Melão Caxi und Umbu.

Die Graviola, auch Stachelannone, ist eine Beere und wird bis zu 4 kg schwer.

Die Acerola ist bei uns vor allem wegen ihres hohen Vitamin C-Gehalts bekannt und beliebt.

Regenerative Landwirtschaft

Heute werden auf dem Feld von Benicio mehr als 10 verschiedene einheimische Arten angepflanzt, was zu einer enormen Produktivitätssteigerung pro Landfläche geführt hat. 

Neben dem zusätzlichen Einkommen erzeugt diese Agroforstwirtschaft nahrhafte und biologische  Nahrungsmittel für die gesamte Gemeinschaft – ein äußerst wichtiger Faktor in einer Region, in der der Zugang zu frischen Produkten immer schwieriger wird.

Darüber hinaus macht die hohe Biodiversität das Land widerstandsfähiger gegen den globalen Klimawandel, der die für die Region bereits charakteristische Wasserknappheit noch verschärft hat. 

Vor diesem Hintergrund ermöglichte das Projekt auch den Bau eines Bewässerungssystems auf dem Land von Benício, das eine effiziente Wassernutzung und die Vermeidung von Verschwendung dieser kostbaren Ressource in der semi-ariden Region Brasiliens garantiert.

Bau des Bewässerungssystems im Jahr 2019

“Die produktiven Aktivitäten im Zusammenhang mit Maracujas und anderen Caatinga-Früchten waren für alle Familien in der Gemeinde von größter Bedeutung, da durch diese Aktivitäten die Strom- und Wasserversorgung der Häuser sichergestellt werden konnte.”   Slowfood Brasil, 2018

 

Dank der erworbenen Fähigkeiten hat Benicio eine Lebensqualität erobert, die die vorherigen Generationen seiner Familie noch nie erreicht haben, und er ist sicher, dass sein Land viele Jahre lang produktiv sein wird, weil er es zurückgewinnt, statt es für kurzfristige Gewinne zu opfern. Heute möchte der junge Mann auf dem Land wohnen bleiben, weil er dort seine Zukunft sieht, dank der Verbesserung der Tätigkeit, die seine Familie seit Generationen unterstützt.

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Die Entstehung des Agroforstsystems auf Benícios Land innerhalb von 6 Monaten

Dieses Projekt unterstützen

Mit dem Kauf von Banacuja finanzierst du die laufende Fortbildung von Benicio weiter, der sich heute mehr und mehr auf Management-Techniken und die Vermarktung seiner Produktion mit Coopercuc konzentrieren kann. 

Die Stärkung der Partnerschaft zwischen Landwirten und Genossenschaften ist entscheidend für die Ausdehnung des Projekts auf die mehr als 50 Familien, die ebenfalls auf diese Chance warten – darauf, dass mehr Agroforstwirtschaft angepflanzt wird.

Schlussendlich garantieren diese Aktivitäten der Gemeinschaft den Zugang zu qualitativ hochwertigen biologischen Lebensmitteln und wecken ein kollektives Bewusstsein für die Erhaltung der natürlichen Ressourcen durch die Förderung des lokalen und fairen Handels.